FCI - Standard Nr. 215 BICHON FRISE (Bichon à poil frisé)

06.01.2020 / DE FCI - Standard Nr. 215 BICHON FRISE (Bichon à poil frisé)

ÜBERSETZUNG: Frau Michèle Schneider, überarbeitet von Astrid Hager. Durch den VDH überprüft.

Offizielle Originalsprache (FR). URSPRUNG: Französisch-Belgisch PATRONAT: Frankreich / Belgien.

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN OFFIZIELLEN STANDARDS: 04.04.2016

VERWENDUNG: Gesellschaftshund.

KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 9 Gesellschafts- und Begleithunde.

Sektion 1 Bichons und verwandte Rassen. - 1.1 Bichons. Ohne Arbeitsprüfung.

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS: Der Bichon frisé kam zur Zeit der Renaissance aus Italien nach Frankreich. Da er einer kleinen Ausgabe eines Barbet (französischer Wasserhund) nicht unähnlich ist, nannte man ihn zunächst „Barbichon“, woraus später Bichon wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden diese kleinen Hunde auf zahlreichen berühmten Gemälden und Porträts gemeinsam mit Königen, Adligen und standesgemäßen Bürgerlichen verewigt. Unter Napoleon III. war er dann wieder „à la mode“, wobei er Ténériffe genannt wurde. Schnell wurde er auch bei „Normalsterblichen“ beliebt und wurde so zu einem populären Hund in Belgien und Frankreich. Nach den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts wäre er beinahe verschwunden. Nur einigen passionierten Züchtern aus Frankreich und Belgien ist es zu verdanken, dass der Bestand gesichert werden konnte. Der erste Hund, der in Belgien registriert wurde, war Pitou, geboren am 23.03.1924 und eingetragen ins belgische Zuchtbuch (LOSH) im Jahr 1932.

FCI-St. Nr. 215 / 06.01.2020 3 Die Ehre, die Nummer 1 im französischen Zuchtbuch (LOF) zu sein, wurde am 18.10.1934 der Hündin Ida zuteil.

Die aktuelle Bezeichnung „Bichon à poil frisé“ (Bichon frisé) wurde 1978 festgelegt und als französisch-belgische Rasse anerkannt.

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: Kleiner, fröhlicher und verspielter Hund; lebhaftes Wesen; weißes, korkenzieherartiges sehr lockeres Haar. Der Kopf wird stolz hoch getragen; die dunklen Augen sind ausdrucksstark, der Blick lebhaft. Die Rute wird anmutig gebogen auf dem Rücken getragen.

WICHTIGE PROPORTIONEN: Der Bichon frisé ist länger als hoch, die Körperlänge (von der Schulter bis zum Sitzbeinhöcker) übertrifft die Widerristhöhe. Der Körper ist rechteckig. Das Verhältnis zwischen Schädellänge und Fang beträgt 3 zu 2. Die Brusthöhe entspricht der Höhe vom Boden zum Ellenbogen.

VERHALTEN / CHARAKTER: Der Bichon frisé ist ein wahrer Gefährte, den man ohne weiteres überall mitnehmen kann; nie nervös oder kläffend; er ist sehr umgänglich auch gegenüber fremden Personen oder Hunden, ist sehr anpassungsfähig und seinen Besitzern gegenüber sehr anhänglich.

KOPF: Proportional zum Körper. Die Augen und die Nase, drei auf dem weißen Gesicht gut sichtbare schwarze Punkte müssen ein gleichseitiges Dreieck bilden.

OBERKOPF: Schädel: Der Schädel fühlt sich eher flach an, obwohl ihn die Haarpracht rund erscheinen lässt. Schwach ausgeprägte Stirnfurche. Der Schädel ist länger als der Fang. Er ist weniger breit als lang und bildet 3/5 der Kopflänge. Die Augenbrauenbögen sind wenig betont.

Stopp: Ausgeprägt, aber nicht stark betont.

FCI-St. Nr. 215 / 06.01.2020 4 GESICHTSSCHÄDEL: Nasenschwamm: Der Nasenschwamm ist abgerundet, gut schwarz, feinkörnig und glänzend. Fang: Sehr breit an der Basis, wird nicht zu schmal in Richtung Nase und macht 2/5 der Kopflänge aus. Der Nasenrücken ist geradlinig, nicht zu tief und nicht zu angehoben.

Lefzen: Die Lippen sind dünn, ziemlich trocken, sie reichen gerade soweit herab, dass die Unterlippe bedeckt wird, aber nie schwere oder hängende Lefzen; sie sind bis zum Lippenwinkel normal schwarz pigmentiert; die Unterlefze darf weder schwer noch sichtbar noch schlaff sein; bei geschlossenem Fang darf sie die Schleimhaut nicht zeigen.

Kiefer / Zähne: Breiter Ober- und Unterkiefer, wobei unten und oben jeweils sechs Schneidezähne regelmäßig stehen. Ein Scherenbiss ist die bevorzugte Gebissstellung; ein Zangengebiss ist aber erlaubt. Ein vollständiges Gebiss wird präferiert.

Backen: Flach.

AUGEN: Sehr dunkel, mittelgroß und eher rund, nicht mandelförmig und nicht vorspringend. Sie dürfen nicht schräggestellt sein. Die Pigmentierung der Lidränder ist komplett schwarz. Wenn der Bichon frisé nach vorne blickt, darf das Weiß der Augen nicht zu sehen sein.

OHREN: Hängeohren, reichlich mit Haar bedeckt. Sie sind leicht über der Augenhöhe angelegt, bilden ein gleichseitiges Dreieck und hängen vertikal gegen die Backen. Die Ohrlappen, sofern sie nach vorne gerichtet sind, reichen mindestens bis zum Lippenwinkel und maximal bis halbe Fanglänge. Die Ohren sind beweglich, vor allem wenn die Aufmerksamkeit des Hundes geweckt ist.

HALS: Der Hals ist recht lang und wird hoch und stolz getragen. Er ist rund und nahe am Schädel schmal; er wird dann allmählich breiter und geht schließlich nahtlos in die Schultern über. Seine Länge entspricht etwa einem Drittel der Körperlänge. Keine Hautfalte am Hals.

FCI-St. Nr. 215 / 06.01.2020 5 KÖRPER: Obere Profillinie: Gerade, im Wesentlichen horizontal bis zum Rutenansatz.

Widerrist: Ziemlich ausgeprägt. Rücken: Horizontal und muskulös.

Lenden: Breit und gut bemuskelt, leicht gewölbt.

Kruppe: Breit, leicht abgerundet und ganz leicht abfallend.

Brust: Die Brust ist gut entwickelt, sie reicht bis zum Ellenbogen, das Brustbein ist ausgeprägt, die falschen Rippen sind gerundet und nicht schroff abbrechend. Der Rippenkorb ist ziemlich lang.

Untere Profillinie und Bauch: Der untere Brustbereich steigt leicht zum Bauch an, der mäßig angehoben ist. Die Flanken sind angehoben, die Haut ist dort dünn und gespannt.

RUTE: Sie ist etwas unterhalb der Rückenlinie angesetzt. Gewöhnlich wird die Rute hoch und anmutig über den Rücken gebogen, auf der Ebene der Wirbelsäule getragen, ohne einzurollen; sie ist nicht kupiert; Die Rutenspitze ist behaart und berührt den Rücken nicht. Allerdings kann das Haarkleid auf den Rücken herabfallen. Die Rute darf nicht hängen, sobald sich der Hund in Bewegung setzt.

GLIEDMASSEN: VORDERHAND: Allgemeines: Von vorne betrachtet, sind die Läufe gut senkrecht gestellt und von mittlerem Knochenbau.

Schulter: Ziemlich schräg.

Oberarm: Bildet einen guten Winkel mit den Schultern.

Ellenbögen: Dicht am Körper.

Unterarm: Gerade und senkrecht von allen Seiten aus betrachtet.

Vordermittelfuß: Von vorne betrachtet, kurz und gerade; von der Seite gesehen leicht schräg.

Vorderpfoten: Kompakt, rund und gedrungen, weder nach innen noch nach außen gedreht. Die Ballen müssen schwarz sein; Krallen vorzugsweise schwarz.

FCI-St. Nr. 215 / 06.01.2020 6 HINTERHAND: Allgemeines: Das Becken ist breit. Die Hinterbeine sind gut bemuskelt und stehen von hinten betrachtet absolut parallel. Sehr senkrecht.

Oberschenkel: Breit und gut bemuskelt.

Knie: Gut gewinkelt, weder nach innen noch nach außen gedreht.

Unterschenkel: Ungefähr genauso lang wie der Oberschenkel.

Hintermittelfuß: Weit unten platziert und stark ausgeprägt.

Mittelfuß: Trocken, ohne Afterklauen. Hinterpfoten: Kompakt, rund und gedrungen, weder nach innen noch nach außen gedreht. Die Ballen müssen schwarz sein; Krallen vorzugsweise schwarz.

GANG: Lebhafter und gelöster Bewegungsablauf, sehr ausgreifend. Im Trab wird der Kopf hochgetragen und die Rute über dem Rücken gebogen. Guter Schub aus der Hinterhand. Die Läufe bewegen sich parallel.

HAUT: Gut gespannt über den gesamten Körper; vorzugsweise dunkel pigmentiert, ohne durch das Fell durchzuscheinen. Das Skrotum ist schwarz.

HAARKLEID: Haar: Reichliche Behaarung. Das Deckhaar besteht aus lockeren Korkenzieherlocken (daher auch der Name „frisé“, was gleichbedeutend mit „kraus“ oder „gekräuselt“ ist). Das seidig dünne Unterfell muss hervortreten. Das Fell ist weder glatt, verflochten, wollartig noch verfilzt. Farbe: Reines Weiß. Bevor der Hund das erste Lebensjahr vollendet hat, kann das Fell allerdings leicht zu beige (champagnerfarben) tendieren, aber dieser Farbton darf nicht mehr als 10 % des Hundes bedecken.

FCI-St. Nr. 215 / 06.01.2020 7 GRÖSSE UND GEWICHT:

Widerristhöhe: Zwischen 25 cm und 29 cm. Eine Abweichung von 1 cm mehr beim Rüden und 2 cm weniger bei der Hündin wird toleriert; sofern die Proportionen ausgeglichen bleiben und die Geschlechtsunterschiede deutlich erkennbar sind. Gewicht: ca. 5 kg, abhängig von der Größe.

FEHLER: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler betrachtet werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes zu beachten ist.

SCHWERE FEHLER: • Charakter: mangelnde Selbstsicherheit.

• Kopf: Spitzer Fang.

• Nase: Fehlende Pigmentierung.

• Lefzen: Fleischfarbene Lefzen oder Blessen und Schnippen, hängende Lippenwinkel.

• Augen: Hell, Lidränder nicht vollständig pigmentiert; Das Weiß des Auges ist sichtbar. Das Fell unterhalb des Auges darf keine Spuren von Tränensekret zeigen.

• Brust: Unzureichend entwickelt.

• Rute: Eingerollt, gerade oder hängend wenn der Hund in Bewegung ist.

• Gliedmaßen: Unzureichend gewinkelt.

• Haar: Geringe Behaarung oder abnormer Wuchs, der zu einem offenen oder glatt anliegendem Deckhaar führt.

• Farbe: Färbung des Fells (ausgenommen während der ersten 12 Lebensmonate).

DISQUALIFIZIERENDE FEHLER:

• Aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde.

• Hunde, die deutlich physische Abnormitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen.

• Gebiss: Über- oder Unterbiss

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• Komplette De-pigmentierung der Nase, der Lefzen- und Lidränder

• Augen: Klein, mandelförmig, hervorstehend, zu hell oder verschiedenfarbig.

• Haar: Komplett fehlende gekräuselte Haarstruktur.

• Farbe: Jede andere Farbe als weiß im Fell nach dem 1. Lebensjahr.

• Größe: Außerhalb des Toleranzbereichs.

• Allgemeines: Sämtliche Anzeichen für Kleinwuchs.

• Körperbau: Hunde, deren Körperbau quadratisch wirkt. N.B.

• Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

• Zur Zucht sollen ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden.

ANHANG Scheren: Scheren wird akzeptiert.

Kopf: Die Ohrenhaare, der Bart und die Schnurrhaare werden derart gestutzt und frisiert, so dass die Kopfform runder oder kurvig erscheint.

Körper: Um dem Hund eine elegante und schmale Erscheinung zu verleihen, wird das Fell an Flanken und Lenden gestutzt (aber nicht mehr als 3 cm). Die Unterseite des Bauchs sollte mit Fell bedeckt sein.

Gliedmaßen und Pfoten: Zylinderförmige Erscheinung.

Rute: Die Fahne darf nicht gekürzt werden.